Was für ein Auftakt in der NFL: Die Baltimore Ravens scheitern gegen die Kansas City Chiefs im Auftaktmatch, weil der große Zeh von Isaiah Likely im Aus steht. Die Packers bangen nach der Niederlage im ersten NFL-Spiel der Geschichte in Sao Paulo gegen die Philadelphia Eagles um Quarterback Jordan Love. Kirk Cousins und die neu formierten Atlanta Falcons erleiden eine Bruchlandung. Und Dak Prescott liefert ab, nur wenige Stunden nachdem er den größten Arbeitsvertrag der Geschichte der Liga unterzeichnet.
Die größte Aufmerksamkeit aber fiel unverhofft auf Tyreek Hill. Der Star-Receiver wurde wenige Stunden vor dem Spiel seiner Miami Dolphins zu Hause gegen die Jacksonville Jaguars auf dem Weg zum Stadion von der Polizei angehalten und von vier Officer des Miami-Dade County festgehalten und in Handschellen gelegt. Nach wenigen Minuten wurde er wieder freigelassen, Hill schaffte es pünktlich zum Spiel - und lieferte unter anderem mit einem 80-Yard-Touchdown, gefolgt vom provokativen Jubel, ab.
Officer wird aus dem Dienst gezogen
Bevor Hill aber sportliche Schlagzeiten schreiben und seiner Franchise zum 20:17-Auftaktsieg verhelfen konnte, musste er bange Momente überstehen. Im Zuge einer Verkehrskontrolle wurde er von der Polizeit festgesetzt. In Windeseile kursierten Videos von der Festnahme auf zahlreichen Social-Media-Plattformen. Darin ist unter anderem zu sehen, wie Hill mit dem Gesicht zum Boden fixiert wird und ihm Handschellen angelegt werden. Das alles in unmittelbarer Nähe zum Hard Rock Stadium.
Über die Gründe der Festsetzung, die die Franchise noch vor dem Kickoff bestätigte, gibt es unterschiedliche Auffassungen. ESPN berichtet von Polizeiinformationen, aus denen hervorginge, Hill sei mit seinem Sportwagen zu schnell gefahren und im Anschluss in "eine verbale Auseinandersetzung" mit den Beamten geraten.
Davon will Hill selbst nichts wissen. Auf einer Pressekonferenz im Anschluss des Spiels sagte er: "Ich habe genau das gemacht, was mein Onkel mir früh beigebracht hat, wenn ich einmal in eine solche Situation geraten sollte: Einfach die Hände am Lenkrad behalten und zuhören, was sie sagen."
Hill weiter: "Ich versuche immer noch, alles zusammenzufügen. Ich habe wirklich keine Ahnung, was genau passiert ist." Stephanie V. Daniels, die Direktorin des Miami-Dade Police Department, verkündete, dass einer der betroffenen Polizisten aus dem Außendienst und an den Schreibtisch gezogen wurde, so lange die Ermittlungen andauern. Es ginge nun darum, das Material der Body Cams der Beamten sorgfältig auszuwerten und zu überprüfen.
Tyreek Hill stellt die unbequemen Fragen
Für Aufsehen sorgte Hill dann wenige Stunden später im Scheinwerferlicht der NFL: Er fing gegen die Jaguars einen 80-Yard-Pass seines Quarterbacks Tua Tagovailoa für einen spektakulären Touchdown, es war der längste Touchdownpass, den der Receiver in seiner Karriere jemals gefangen hat. Im Anschluss verschränkte er beim Jubel die Arme hinter seinem Rücken und ließ sich von Offense-Kollege Jaylen Waddle symbolisch verhaften. Eine eindeutige Anspielung an die Vorkommnisse des Nachmittags, die wahrscheinlich noch eine Strafe der Liga nach sich ziehen wird.
"Was wäre passiert, wenn ich nicht Tyreek Hill gewesen wäre?", regte der 30-Jährige im Anschluss an einen aufwühlenden Arbeitstag noch zum Nachdenken an, "wie wäre es weitergegangen, im schlimmsten Fall? Gott weiß, was sie sonst gemacht hätten." Hill kam neben seiner Prominenz zugute, dass ihm zwei Teamkollegen unterstützend zur Seite eilten: Calais Campbell und Jonnu Smith hatten die Szenerie zufällig beobachtet und seien schlichtend eingeschritten, geht es aus dem ESPN-Bericht hervor.
"Ich bin nur froh, dass meine Teamkollegen da waren, um mir zu helfen. Ich fühlte mich sehr einsam", zeigte sich Hill über die Unterstützung, die die Polizisten vermutlich dazu veranlasste, ihn ohne weitere Auflagen ziehen zu lassen, dankbar. "Ich würde diese Plattform gerne nutzen, damit sich insgesamt etwas zum Positiven ändert, für die ganze Community in Miami", schließt der Matchwinner der Miami Dolphins seine Ausführungen zu dem außergewöhnlichen Fall.